Unternehmen
ACHTUNG! Alte Blackroll Homepage. Zur neuen geht es über www.blackroll.de
Südwest PresseOnline-Bericht vom 25.01.201206.02.2012

Auf fast zwei Jahrzehnte als Physiotherapeut beim Handball-Nationalteam kann Peter Gräschus blicken. Der Mössinger hat viel erlebt, aktuell ist er bei der EM in Serbien gefordert. Er gewährt Einblicke.

 

Herr Gräschus, eine Handball-EM wie die jetzige in Serbien gehört für Sie ja fast schon zum Alltag. . .

 

PETER GRÄSCHUS: Naja, ich bin seit Ende 1992 als Physiotherapeut bei der A-Nationalmannschaft.

 

Da können Sie auf einen langen Zeitraum zurückblicken. . .

 

GRÄSCHUS: Meine erste WM war die 1993 in Schweden. Vergangenes Jahr hatte ich die Ehre, wieder bei einer WM in Schweden dabei zu sein, die zweite im selben Land. Da habe ich mir schon meine Gedanken über die verstrichene Zeit gemacht.

 

Heiner Brand ist vergangenes Jahr als Verantwortlicher des Nationalteams abgetreten. Wäre das auch für Sie eine Option gewesen, zu gehen?

 

GRÄSCHUS: Heiner? Mit ihm hatte ich keinen Vertrag, ich habe einen Vertrag mit dem Deutschen Handball-Bund. Mein Ziel habe ich vor vier Jahren klar erkannt: Ich möchte zu den Olympischen Spielen nach London, und ich denke, wir sind da auf einem guten Weg und können das schaffen.

 

Aber ist man nach so vielen Jahren nicht irgendwann einmal müde?

 

GRÄSCHUS: Ich glaube, dass mein Weg bei der Nationalmannschaft noch nicht zu Ende ist. Erst dann, wenn die Lust oder das Feuer nicht mehr vorhanden sind, dann müsste ich gehen.

 

Eigentlich kommen Sie ja aus dem Fußball, Sie waren erfolgreicher Stürmer beim damaligen Verbandsligisten Ofterdingen. . .

 

GRÄSCHUS (winkt ab): Ja, das war so um 1990.

 

Damals hatten Sie anerkannte Trainer-Kapazitäten als Begleiter. . .

 

GRÄSCHUS: Ja, ich trainierte unter einem Ralf Rangnick, Armin Veh, Rainer Adrion oder auch unter Frank Wormuth, dem Ausbilder beim DFB.

 

Als Physiotherapeut beim DHB haben Sie aber auch einige Handball-Bundestrainer erlebt, erzählen Sie mal:

 

GRÄSCHUS: Außer Armin Emrich waren das Arno Ehret, Horst Bredemeier oder dann natürlich Heiner Brand. Es war mir immer eine Ehre, dabei sein zu dürfen - bei allen Hochs und Tiefs. Und es ist ein Privileg, unter Martin Heuberger zu arbeiten.

 

Damit sind wir bei der aktuellen EM. Was zeichnet Martin Heuberger als Bundestrainer aus?

 

GRÄSCHUS: Auch wenn er nicht der Darsteller nach Außen ist, er hat einen besonderen Zugang zur Mannschaft und zum gesamten Umfeld.

 

Wie darf man das verstehen?

 

GRÄSCHUS: Die Chemie innerhalb der Mannschaft stimmt einfach. Es muss jedes einzelne Mosaiksteinchen passen, dass das Gesamtbild stimmt. Vor dem Turnier haben wir uns einige Dinge in die Hand versprochen. Freilich kann man das vor jedem Turnier tun, aber hier passt das gut zusammen.

 

Heuberger lobte besonders Ihre Arbeit wie auch diejenige Ihres Kollegen Reinhold Roth und die des verantwortlichen Mannschaftsarztes aus Rottenburg, Dr. Berthold Hallmaier. Sie seien bei den Spielern mehr als nur für die ärztliche Seite zuständig. . .

 

GRÄSCHUS: Ja, wenn man permanent Zeit zusammen verbringt, dann ist man in guten wie in schlechten Zeiten Partner. Eine Verletzung, die behandelt werden muss, hat immer mit der Psyche zu tun. Wir sind keine Psychologen, aber wir merken schon, ob einer etwas auf dem Herzen hat oder ob er nur seine Ruhe braucht.

 

Apropos Ruhe: Pascal Hens sollte eigentlich als Kapitän vorangehen. Es sieht so aus, als ob er wegen seiner Formschwäche nur seine Ruhe will. . .

 

GRÄSCHUS: Pascal Hens zeigt gerade jetzt seine Führungskraft, auch wenn es in der Öffentlichkeit nicht so ankommt. Er sieht sich als Teil der Mannschaft. Wir haben uns vor dem Turnier darauf eingeschworen, dass die Mannschaft wichtig ist, und wir keinen einzelnen als herausragende Person benötigen. Das haben alle im Team unterschrieben. Pascal ist momentan ein positiver Faktor in der Kabine. Auch die Zeit von Hens wird wieder kommen.

 

"Pommes" Hens wirkt aber im Vergleich zu anderen Auftritten viel dünnhäutiger, ist das so?

 

GRÄSCHUS: Dass es für ihn momentan nicht einfach ist, ist klar. Aber er macht aus dieser Situation das Beste für das Team. Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen: "Pommes" sieht sich nur als Mosaiksteinchen eines Gesamtbildes, das am Ende für Erfolg steht.

 

Gab es früher bei Großereignissen eine Verletzten-Meldung nach der anderen, so blieb die Mannschaft dieses Mal von schlimmeren Verletzungen verschont. Ist dies auch eine Folge der veränderten Vorbereitung?

 

GRÄSCHUS: Ob dies zutrifft, muss nach der EM analysiert werden. Fakt ist: Es wurden viele Kleinigkeiten verändert. Angefangen bei Lifekinetik, einer Art Gehirn-Jogging, bis hin zu einer Blackroll, einer Massagerolle, die ich bei der Regenerationsphase einsetze. Wichtig war zum Beispiel auch, dass die Spieler drei Tage vor Silvester mehr Zeit zur Regeneration bekommen haben als zuvor. Außerdem werden wir Physiotherapeuten mehr ins funktionelle Training eingebunden.

 

Was ist bei dieser EM noch drin? Keine Bedenken, dass die deutsche Mannschaft ausscheidet und der Olympia-Traum doch noch platzt?

 

GRÄSCHUS: Ich bin vom Weiterkommen felsenfest überzeugt, weil die Mannschaft im Gegensatz zu den vergangenen Turnieren mental in einem Topzustand ist - sie wird das packen.


Kompletter Bericht im Downloadbereich